Lehrlingswohnheim Leinestraße 10

Das Lehrlingswohnheim erstreckte sich über die Häuser 1 und 2. Im Haus 1 gab es den Speißeraum, das Erzieherzimmer, den Hausaufgabenraum, sechs Wohnräume mit je sechs Plätzen in drei Doppelstockbetten, die Sanitäreinrichtungen nach Männchen und Weibchen getrennt und eine kleine Küche nebst Vorratsraum.

Das Haus 2 beherrbergte lediglich drei Räume für das Lehrlingswohnheim – rechts hinten von der Leinestraße gesehen. Darüber hinaus gab es noch die Sanitärräume. Wobei mangels weiblicher Lehrlinge in Haus 2 dieser Waschraum oft zum Zwecke der Partyausrichtung missbraucht wurde.

Die gesamte Kapazität des Wohnheimes betrug also 54 Personen. Ende der 1980er Jahre war das Wohnheim immer fast voll belegt. Es wohnten dort die Kfz-Mechaniker, die Straßenbahner und natürlich die Eisenbahner. Ein „Lehrling vom Dienst“ musste nach der Schule immer einkaufen gehen und beim Abendbrot helfen. Morgens gingen immer zwei Lehrlinge zum Bäcker in der Nähe vom Straßenbahnhof Dölitz.

Heimausweis Lehrlingswohnheim Leinestraße 1ß
Der Heimausweis des Lehrlingswohnheims.
Lehrling vom Dienst
Der Lehrling vom Dienst machte am Nachmittag Einkäufe.

Zentrale Freizeiteinrichtung - die Tischtennisplatte

An der Tischtennisplatte trafen sich am Nachmittag und bis zum Einbruch der Dunkelheit die Lehrlinge des Wohnheims und spielten meist ganz klassisch chinesische Partien, da oft mehr als 10 Lehrlinge anzutreffen waren.

Hier wurden auch die neuesten Gerüchte ausgetauscht über das Leben, das Lieben, das Entlieben und ebenso Verabredungen zu Gelagen in den nahegelegenen Kneipen getroffen. Für mehr Unterhaltung sorgte nur noch der Fernseher im Speisesaal, was aber angesichts der zwei Programme doch wohl eher zu vergessen war.

Ein bisschen weiter hinten, gab es noch die Möglichkeit zu kicken. Die Wiese vor den Häusern 3 bis 5 wurde am Nachmittag gern für ein schnelles Turnier zwischen Straßenbahnern und Eisenbahnern genutzt – Spielregeln: alles war erlaubt 😉

Tischtennisplatte im Lehrlingswohnheim
Nachrichtenzentrale Tischtennisplatte.

Freizeitgestaltung in der Umgebung

Wenn man nach getaner Schule und nach den Hausaufgaben mal etwas unternehmen wollte, so sorgten drei Kneipen für Ablenkung:

  • Die Burg
  • Zum grünen Tal
  • Laubenpieperkneipe

Diese wurden von den Lehrlingen auch ausgiebig genutzt, um sich bis 21:30 Uhr zu vergnügen. Neben dem Bier für 42 Pfennig den viertel Liter gab es auch ’ne Bocki oder Boulette. Im grünen Tal wurde immer wieder gern Skat gekloppt und die Stammgäste waren uns Lehrlingen auch bald geläufig. Die Kneipe „Zum grünen Tal“ schenkte auch in Kanistern aus, sodass die durstigen Lehrlinge gleich 10 Liter ins Wohnheim schleppen konnten. Wenn der Erzieher vom Dienst in Stimmung war, konnten wir Lehrlinge gemeinsam mit Ihm in seinem Zimmer ab 22 Uhr den Gerstensaft leeren.

Wenn es mal zum Tanzen gehen sollte, waren meist diese Möglichkeiten in betracht zu ziehen:

  • Haus Auensee am Mittwoch
  • Tanzbar Schauspielhaus
  • Nachttanz-Diskothek Gutenbergkeller
  • Carola-Bar

Die Karten für den Mittwochspop im Haus Auensee waren nicht so leicht zu bekommen. Zum Glück unterstützten uns da immer gern die Leipziger Mitlehrlinge und gemeinsam gingen wir dann in die begehrte Einrichtung. In Erinnerung blieben mir besonders die jungen Frauen, die zu zweit immer an den Tischen entlangwandelten und abcheckten, ob interessante Jungs da waren.

Beim Schauspielhaus musste man sich rechtzeitig anstellen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Beim Einlass wurde sehr genau auf die Altersgrenze von 18 Jahren geachtet. Der O-Saft-Wodka war legendär und auch das Herrengedeck mit Würzfleisch ist mir in Erinnerung. Zurück zum Wohnheim ging es von dort auch gern mal mit dem Schwarztaxi für 10 Mark.

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